Mit dem Hausboot durch Holland und Amsterdam

Generelle Infos

Wir haben unser Hausboot für Holland von Locaboat (Marina Loosdrecht) via Hausboot Böckl in Wien angemietet. Im Zuge der Vorbereitung zur Reise habe ich ein persönliches Beratungsgespräch bei Harald Böckl wahrgenommen und kann das nur sehr empfehlen. Das ausführliche Gespräch war kompetent, hilfreich und zudem freundlich, die Abwicklung hat dann auch sehr gut geklappt. Zum Glück hatten wir unterwegs keine Probleme, aber ich hatte immer das Gefühl, dass wir im Ernstfall eine kompetente Unterstützung haben würden. Das Buch von Harald Böckl „Mit dem Hausboot durch Holland“ ist für die Vorbereitung sehr empfehlenswert, auf der Reise selbst hilft es nur bedingt weiter. Aber Achtung: Nicht alle in der Karte im Buch eingezeichneten Kanäle sind für die üblichen Hausboote auch befahrbar (bspw. die Verbindungen von Woerden nach Utrecht oder Oudewater). Wenn man die Route bereits zu Hause detailliert planen will braucht man unbedingt die detaillierten Gewässerkarten (siehe weiter unten).

Unser Boot war eine Penichette 1120R und für unsere Ansprüche perfekt geeignet. Bei den Penichettes gibt es drei unterschiedliche Konstruktionen: die Classique, die Terrasse und die Flying Bridge. Die Classique haben nur am Bug eine kleine Terrasse. Die Flying Bridges haben einen zusätzlichen Außensteuerstand und eine Terrasse „am Dach“.  Der Vorteil der Terrasse-Modelle ist, dass die hintere, sehr großzügige Terrasse gemeinsam mit der Küche und dem Steuerstand auf einer Ebene ist und somit alle Reisenden immer (egal bei welchem Wetter) zusammen sind. Das Dach lässt sich wirklich sehr weit öffnen, die Fenster rundherum sind sehr groß, in Summe hat man den Eindruck beim Steuern und auch beim Kochen und am Esstisch im Freien zu sein und hat zugleich auch einen Sonnenschutz wenn gewünscht. Sehr angenehm und großzügig ist die hintere Terrasse auf die man sich den Tisch hinausstellen kann, drei Klappsessel sind zusätzlich an Bord. Auch die kleinere Terrasse am Bug ist größer als vermutet und ein sehr idyllisches Plätzchen beim Fahren durch die Landschaft. Zu beachten ist, dass man mit den Flying Bridges nicht durch Utrecht fahren darf, ein Erlebnis auf das ich nicht verzichten würde.

Der Reisezeitraum war bei uns Mitte September und den kann ich sehr empfehlen. Wir hatten auch sehr viel Wetterglück und über den gesamten Zeitraum war es sehr sonnig und warm, nur am letzten Tag hat es einmal kurz geregnet. Der große Vorteil der Nachsaison ist aber sicher, dass in den Städten und Dörfern sowie den Passantenhäfen sehr wenig los ist und wir daher immer direkt in den zentralen Häfen anlegen konnten. Man ist dann in wenigen Minuten in den Zentren und erspart sich zudem meist auch noch eine Hafengebühr, zumindest ist sie wesentlich günstiger als in den Yachthäfen die meist auch weiter draußen liegen (Fahrräder dann empfehlenswert).

Die ANWB-Gewässerkarten (ohne die geht es nicht) haben wir direkt bei der Bootsübernahme bei Locaboat gekauft (EUR 15 je Karte). Unbedingt braucht man die Karte I, Vechtplassen, welche die gesamte von Locaboat empfohlene Südroute abdeckt. Bei der Bootsübergabe zeigt einem der Techniker auch in der Karte die empfohlene Route (und zeichnet sie in die Karte ein – was mir persönlich unsympathisch aber sehr praktisch ist). Wir haben zusätzlich die Karten G, Amsterdam-Alkmaar, welche den Bereich nördlich von Amsterdam (in unserem Fall Zaanse Schans) abdeckt, sowie die Karte H, Hollandse Plassen, für den Abstecher nach Leiden, benötigt.

In die Gewässerkarten gemeinsam mit dem am Boot befindlichen ANWB-Almanach liest man sich recht rasch ein, auch wenn beide nur holländisch sind. Brücken, Schleusen und Anlegemöglichkeiten sind damit bald kein Problem mehr, die erlaubten Fahrgeschwindigkeiten je Gewässerabschnitt sowie wenn benötigt detaillierte Infos zu Brücken (Öffnungszeiten, Telefonnummern der Wärter, Höhe, Breite, Länge der Schleusen etc.) und Anlegemöglichkeiten (Anzahl Plätze, Größe der Plätze, Ausstattung, Telefonnummer, etc.) finden sich im Almanach.

Alle beweglichen Brücken (BB) und Schleusen (aber nicht alle festen Brücken) haben in der Karte und im Almanach eine eindeutige Nummer auf die sich auch die in den folgenden Texten befindlichen Bezeichnungen beziehen.

Tipps und Empfehlungen

Aus der Erfahrung folgende Empfehlungen die ich zuvor nirgends gefunden hatte:

  • Bei der Pauschale ist ein Fahrrad inkludiert, wir haben ein zweites dazugekommen, darauf hätten wir verzichten können. Zumindest in unserem Reisezeitraum liegt man immer unmittelbar in den Stadt- bzw. Dorfzentren und hat auch für das Frühstück keine weiten Wege. Liegt man weiter außerhalb braucht man aber für jeden Mitreisenden ein Rad, sonst wird es kompliziert. (Ehrlicher Weise entspricht das auch der Empfehlung von Herrn Böcke, ich wollte es ihm aber nicht glauben…)
  • Will man am Boot mitgebrachte Musik hören empfiehlt sich ein Klinkenkabel für die Verbindung von Handy zum Autoradio.
  • Jedenfalls empfehlenswert ist ein GPS-fähiges Handy auf das man zuvor zumindest grobes Kartenmaterial heruntergeladen hat. Beispielsweise am Nordzeekanal oder auf dem Loosdrechtse Plassen wird damit die Orientierung wesentlich erleichtert. (Locaboat vermietet auch ein Boots-GPS, das erscheint mir übertrieben.)
  • Auch für die Bestimmung der Geschwindigkeit ist ein GPS sehr zweckdienlich, das Armaturenbrett hat nur einen Drehzahlmesser aus dem man dann mit ein bisschen Erfahrung die Geschwindigkeit ableiten kann (übliche Geschwindigkeitsbeschränkungen sind 4,5 km/h, 6 km/h, 9 km/h und 12 km/h, das lässt sich mit Gefühl kaum unterscheiden).
  • Nicht vergessen die unterschiedlichsten Ladegeräte wenn möglich auch mit Anschluss für Zigarettenanzünder, nur der ist auch außerhalb von Anlegestellen mit Landstromanschluss verwendbar. Das Autoradio hat einen USB-Stecker der sich zumindest bei laufendem Motor auch zum Laden von Handys eignet.
  • Ein Fernglas zum Lesen von Bojenbeschriftungen vor allem aber auch der Tafeln mit den Öffnungszeiten und Telefonnummern der Brücken und Schleusen ist hilfreich (weicht manchmal doch vom Almanach ab).
  • Sehr empfehlen kann ich unsere Vorgangsweise sich vor der Bootsanmietung Amsterdam anzusehen (wir waren drei Nächte dort). Dann hat man das „erledigt“ und kann sich dann ganz dem Fahren, den anderen Städten und der Landschaft widmen.

Die Tour

248,2 km Gesamtkilometer (24,8 km durchschnittlich pro Tag)
42:05 h Gesamtfahrzeit (4:10 h durchschnittlich pro Tag)

Tag 1 – 9,1 km – 1:25 h – Bootsübernahme – Loosdrechtse Plassen
Tag 2 – 25,8 km – 4:30 h – Loosdrechtse Plassen – Weesp – Muiden
Tag 3 – 36,1 km – 4:40 h – Muiden – Weesp – Amsterdam – Zaanse Schans
Tag 4 – 26,6 km – 3:40 h – Zaanse Schans – Amsterdam – Ouderkerk
Tag 5 – 20,2 km – 6:15 h – Ouderkerk – Woerden
Tag 6 – 34,7 km – 5:05 h – Woerden – Alphen – Leiden
Tag 7 – 31,1 km – 4:10 h – Leiden – Alphen – Boskoop – Gouda
Tag 8 – 20,5 km – 4:10 h – Gouda – Oudewater – Montfoort
Tag 9 – 20,8 km – 3:40 h – Montfoort – Utrecht
Tag 10 – 23,3 km – 4:30 h – Utrecht – Maarssen – Loosdrechtse Plassen